Lobe den Herrn, meine Seele, und…
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)
David redet in diesem Vers nicht mit seinem Nachbarn. Er redet mit sich selbst. Er nimmt seine eigene Seele beiseite wie ein Vater sein trotziges Kind und sagt ihr, was sie zu tun hat. Offenbar braucht das Herz solche Anweisungen. Von allein lobt es nicht, das kenne ich von mir selbst sehr gut. Und das Vergessen geht schnell. Nur nicht das Unrecht, das man uns angetan hat. Das vergessen wir nicht. Den Satz, der uns vor zehn Jahren verletzt hat, haben wir noch wörtlich im Ohr. Aber die Wohltaten Gottes rinnen uns durch die Finger wie Wasser. Ein undankbares Gedächtnis ist ein löchriger Eimer. Gott füllt ihn Morgen für Morgen, und am Abend ist er leer.
Darum zählt David laut auf. Er vergibt dir alle deine Sünde. Er heilt. Er erlöst dein Leben vom Verderben. Er krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit. Achte darauf, was ganz oben steht. Nicht die volle Scheune. Nicht die Gesundheit. Nicht der Friede im Haus. Die Vergebung steht oben. Wer sie hat, der hat alles. Wer sie nicht hat, besitzt nichts, was ihm bleiben wird.
„Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann“ Jim Elliot
Und woher kommt sie? Die Scheune füllt sich vom Feld. Die Vergebung füllt sich vom Kreuz. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, als es um dich ging. Wenn du im Dezember vor der Krippe stehst und ein Kind siehst, dann denke daran, wohin dieses Kind unterwegs war. Halte doch heute Abend einmal Rückschau. Zähle nach, was er dir Gutes getan hat, und sage es laut. Rede mit deiner Seele, so wie David es getan hat. Sie hört dir besser zu, als du denkst.
R. Dickert

